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Branding:
Wer schön sein will...
Schulz! auf den Spuren eines schmerzhaften Modetrends.
Der
Geruch von verbranntem Fleisch hängt in der Luft, geschwängert
vom Aroma menschlichen Schweißes und menschlicher Schmerzen. Ein
Stück Stahl wird am Feuer zum Glühen gebracht. Dann ein Zischen
und ein heftiges Keuchen. Das Eisenmotiv hat sich durch aufdrücken
auf der Haut verewigt. Allerdings ist das Opfer kein Rindvieh, sondern
ein Mensch. Und der ist auch kein Opfer, sondern freiwillig hier. BRANDING
heißt der letzte Schrei. für alle, die um jeden Preis in sein
müssen. Frauen wie Männer lassen sich auf Oberarme und Schenkel,
manchmal auch auf den Hintern diese Stempel auf- drücken, ganz dem
Motto verfallen: "Wahre Schönheit" ist nur durch Schmerzen zu erhalten.
In den USA und in England bereits seit einiger Zeit bekannt und praktiziert,
schwappen die Ausläufer dieses Trends auch nach Festlandeuropa. Nach
Tattoos und Piercing stellt Branding einen neuen Höhepunkt in der
Sucht nach dem gewissen Kick und dem kleinen Unterschied dar. Doch Vorsicht:
Die Verbrennungen dritten Grades bereiten nicht nur lange und heftige Schmerzen.
Eiternde, aufbrechende Brandwunden und wild wuchernde Narbengewebe sind
an der Tagesordnung. Wird laienhaft gearbeitet, verwischen die Linien des
Motives und der ganze Aufwand war umsonst. tb
01.02.1995 |