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   AMÜSANTES

Aus dem Tagebuch eines Gourmets   

Antonio Pachis plaudert aus der Schule.   

Meine Lage war aussichtslos. Ausgerechnet jetzt rief sie an! Sicher, ich hatte ihr meine Karte gegeben, die übliche Lebemann-Nummer abgezogen und ihr ein üppiges Essen bei Kerzenschein versprochen. Das war vor drei Wochen. Inzwischen war mein Bafög gestrichen, das Konto hoffnungslos überzogen. Anstatt ihr von Geschäften in New York zu erzählen, lud ich sie noch am selben Abend ein. Ich war das Opfer meiner Begierden. Während ich zum Sofa wankte, griff ich zur Zeitung, um mich abzulenken, als ich mich beim studieren der Supermarkt-Angebote ertappte: Was war das? "Lachsschinken", "Qualitäts-Weine im 10er-Pack" und mehr. Und alles so gut wie geschenkt.  

Zugegeben, ich hatte nicht viel gutes von dem Laden gehört, von überzogenen Haltbarkeitsdaten wurde gemunkelt. Ein Blick in meine Brieftasche bekräftigte mich aber in dem Glauben, dass es sich nur um Gerüchte handeln kann. Einmal angekommen wurde ich weiter auf die Probe gestellt. Wie Altare ragten lieblos gepackte Paletten in die Höhe, als wollten sie dem Gott Luculus Tribut zollen. Schließlich an der Kasse angelangt, folgte auch ich dem Ritus, mein Gesicht zu verbergen. Nachdem ich alle Torturen über mich gebracht hatte, eilte ich nach Hause, um das Mahl zu bereiten und alles festlich herzurichten. Als es dann soweit war, glaubte ich meine Mühen belohnt.  

Mir gegenüber saß die Traumfrau und nahm genüßlich einen Bissen nach dem anderen zu sich. Andächtig nippte sie am Wein, stellte behutsam das Glas auf den Tisch und öffnete ihre bezaubernden Lippen, sicher um ein Kompliment über meine Kochkunst anzubringen. Allerdings brachte sie nur ein seltsames Röcheln hervor und kotzte auf meine Tischdecke. Dies und das Verdrehen ihrer Augen, was ich zunächst als Zeichen ihrer Zuneigung interpretierte, stellten sich bald als Symptome einer Lebensmittelvergiftung heraus. Ich sah sie noch zusammensacken, als sich ein Mantel der Dunkelheit um mich legte. Dann hörte ich Stimmen: "Doktor, er kommt zu sich!" "Worauf warten sie? In den OP - nichts wie hin." Zum Index 01.02.1995

 

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