|
Autofahrers
Leid
Lothar
Teuchert und die Probleme im Verkehr.
Wenn
man mit gesundem Menschenverstand davon ausgeht, dass morgens um neun
Uhr kaum jemand angesäuselt am Steuer seines Autos sitzt, trotzdem
ein Wagen aber unsicher und langsam die Straße entlangschleicht,
wird spätestens, wenn dieser Mensch bei "Grün" vor einer Ampel
fast anhält, weil er wohl die Richtung nicht weiß, klar, es
handelt sich um einen Fremden. Früher im Mittelalter, wenn so ein
Stadtunkundiger suchend von Haus zu Haus wanderte, konnte man ihm ohne
Eile zurufen: "Was suchest Du, Fremder?" Und er konnte ebenfalls ohne Eile
und mit Muße, zurückrufen: "Ei, meinen alten Kumpanen Soundso,
er soll hier wohnen."
Schon
zeigte man ihm das richtige Haus, er brüllte vielleicht noch - wenn
er Bildung hatte - "Sei`s gedankt, lieber Herr!" und schlenderte weiter.
Heute geht so etwas natürlich nicht mehr. Schon durch sein auffälliges
Verhalten auf der Straße hat er sich die Sympathie der ihn Verfolgenden
gründlich verscherzt. Mißmutig und verstimmt fährt mancher
fast an die Stoßstange des Fremden, läßt ungeduldig den
Motor aufheulen, arbeitet kurz mit Hupe oder Lichtzeichen, reißt
demonstrativ die Hände vom Steuer in die Höhe, in der Hoffnung,
der arme Geplagte würde diese Zeichen im Rückspiegel sehen -
tut also fast alles nur Mögliche, den Vordermann noch weiter zu verunsichern.
Undenkbar
also, dass an der nächsten roten Ampel ein Stadtkundiger aus
seinem Wagen steigt, blitzschnell zum Vordermann läuft, um dann, wie
früher, zu rufen: "Was suchest Du, Fremder?" Nun sucht der arme Mensch
ja nicht aus Vergnügen eine bestimmte Straße, und da die Parkplätze
voll belegt sind, die Schilder am Straßenrand auf absolutes Halteverbot
hinweisen, schleicht er weiter. Natürlich hat er den Zorn der Verfolger
längst gespürt, und auch er wird langsam böse. Verunsichert
und verärgert tippt er, etwas boshaft, das sei zugegeben, ohne Grund
kurz auf die Bremse und sieht im Rückspiegel - mit etwas schlechtem
Gewissen - den "Angreifer" voll in die Eisen steigen. Dann begibt er sich
rasch in den vor ihm liegenden Kreisverkehr und beschließt, so lange
dort Karussell zu fahren, bis er einer Lösung seiner Probleme nähergekommen
ist. Er überlegt! Er hat einen Stadtplan, den könnte er praktisch,
wenn er einen Parkplatz finden würde, zu Rate ziehen. Wenn!!! Außerdem
ist er ja durch den albernen Plan in diese Ecke der Stadt gekommen, und
irgendwo hätte die gesuchte Straße hier abgehen müssen.
Hätte!!!
Bei G7!!! Mein Gott, G7 bedeutete mehrmaliges Umklappen des Schlaumeiers,
und das im Kreisverkehr! Unmöglich! Und überhaupt, das blaue
Schild dort, Richtung Autobahn, das kannte er, und diese unfreundlichen
Autofahrer hier - die freundlichen bemerkt man ja nicht - die kannte er
nun auch. Die Parkplatzprobleme, Halteverbot, Hast und Hetze, Gehupe und
Bremen hinter ihm, das alles hatte er kennengelernt - nur den Stadtplan
noch nicht richtig! Aber das war nun auch egal, bei Maxi Schwiers im Laden
gab es genauso schöne Oberhemden, und Otto Schwiers hatte, statt wie
früher Rabattmarken, einen Klaren im Kühlschrank. Und das Auto
konnte er bei Otto vor der Tür stehen lassen - falls er zuviel Rabatt
bekam. Schon hatte der Fremde - irgendwo aus dem Landkreis - den Kreisverkehr
verlassen, beschleunigte zügig und verließ den Ort.
01.03.1995
Lothar
Teucherts "Teuchert nochmal" aus dem ESDES Verlag ist in jeder guten Buchandlung
erhältlich. ISBN 3-9801542-8-9 |