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   TEUCHERT

Straßenkampf   

Lothar Teuchert über knallharte Situationen.   

"Können Sie nicht aufpassen?!" bölkte der Mann mit zornrotem Kopf. "Was wollen Sie damit sagen? Worauf kann ich nicht aufpasssen?" brüllte der etwas Jüngere erbost zurück. Beide lagen im Alter zwischen fünfunddreißig bis fünfundvierzig Jahre. Der dickere, ältere, wohl etwas cholerisch angehauchte sprang aus einem Wagen. "Sie sehen doch, dass ich in diese verdammte Parklücke will, wieso zum Teufel versperren Sie mir den Weg?" Der Jüngere, auch nicht einer der Ruhigsten, öffnete nun ebenfalls und mit heftigen Schwung seine Autotür. Innerhalb von Zehntelsekunden hatte er den Gegner auf Gewicht, Kampfbereitschaft, Größe und Gefährlichkeit taxiert. "Wer, bitte sehr, versperrt hier eigentlich wem den Weg? Sie sehen doch ganz genau, dass meine Motorhaube in Richtung Parkplatz zeigt, folglich bitte ich, vorerst noch höflich, machen Sie mit ihrer verdammten Luxuskiste den Weg frei!"  

Der Dicke bebte vor Zorn. "Das also ist es, Minderwertigkeitskomplexe dem stärkeren Wagen gegenüber, es geht gar nicht darum, dass Sie auf diesen Parkplatz wollen, nein, nein..." Sein Würstchenfinger wedelte erregt in der Gegend herum. "Sie sind ein sogenannter Neidhammel, dezent ausgedrückt!" Der Jüngere wuchs und wuchs: "Vorsicht, Vorsicht, achten Sie auf Ihre Worte, noch geht es nur um einen Parkplatz, geht es aber erst um ein Bett in der Unfallklinik, lasse ich Ihnen gern den Vortritt." Dickerchen schnappte hörbar nach Luft: "Sie drohen mir, Sie wollen mir drohen?" Er trat einen Schritt vor, der Jüngere einen zurück. "Sie mißverstehen mich, ich will Ihnen nicht drohen, ich will nur meinen mir zustehenden Parkplatz. Also, seien Sie vernünftig, räumen Sie das Feld!"  

"Sie haben mir gedroht, Sie ungehobelter Patron haben mir soeben ein Bett in der Unfallklinik angeboten, Sie... Sie...!" "Ich komme von vorn, Sie müssen erst zurücksetzen, ich bin also vorfahrtsberechtigt!" "Was sind Sie? Ein Flegel sind Sie! Ich bin nur etwas weiter vorgefahren, weil ich, wie jeder gute Autofahrer weiß, dann leichter einparken kann." "Ich kann das eben auch, indem ich das Steuer einfach nach rechts einschlage, etwas auf den Bürgersteig rolle und dann leicht nach links einschlage!" "Räumen Sie jetzt diesen verdammten Parkplatz oder nicht?" "Nein!" "Nein?" "Nein!"  

Zwei Damen wühlten sich durch den entstandenen Stau. "Erwin!" "Hans!" Die beiden Kontrahenten eilten ihren Damen entgegen. Leicht verstört. "Oh", meinte Frau von Duckelshausen, "ihr kennt euch schon?" Herr von Duckelshausen nickte. Wer ist die reizende Dame?" "Meine neue Geschäftsführerin, wir hatten doch einen Termin vereinbart... Und das ist sicherlich ihr Gatte, meine Liebe, stimmt's? Ich freue mich!" Erwin Müller verbeugte sich galant. "Freut mich!" "Aber was ist das für ein Auflauf?" "Oh, nichts Besonderes", klang es wie aus einem Mund. Und Herr von Duckelshausen meinte: "Wie wäre es, wollen wir zur Feier des Tages zusammen essen gehen? Kommen Sie, wir fahren die Wagen in die Tiefgarage." Zum Index 01.04.1995 

Lothar Teucherts "Teuchert nochmal" aus dem ESDES Verlag ist in jeder guten Buchandlung erhältlich. ISBN 3-9801542-8-9

 

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