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Peter Schilling: Die Neue Deutsche Welle lebt Gerald
Lembke und Antonio Pachis plauderten völlig losgelöst mit der
NDW-Ikone.
SCHULZ! Du bist mit Radio SAW in den neuen Bundesländern auf Tour. Kennt Dich da überhaupt jemand?
SCHULZ! Früher hast Du vor ausgebuchten Hallen gesungen heute ist auch schon mal ein Auftritt in 'ner Discothek drin. Belastet Dich das? SCHILLING Ich seh' da keinen großen Unterschied. Ich geh' raus und stelle mich. Ich mach's einfach. SCHULZ! Also mehr als ein Job? SCHILLING Ich geb' immer mein Bestes. Ob in einer Discothek oder bei der großen SAW-Aktion. Es ist das, was ich machen will, immer machen wollte, ein Traumjob. Und es macht verdammt viel Spaß. SCHULZ! Weinst Du der Neuen Deutschen Welle nach? SCHILLING Es war 'ne geniale Zeit, wir hatten Spaß. Mit vielen Stars aus dieser Zeit verbindet mich noch eine große Freundschaft. Mit Markus oder Joachim Witt. Und ganz totzukriegen ist die NDW auch nicht. SCHULZ! Und jetzt planst Du das große Comeback? SCHILLING Ich vertraue den freien Kräften des Marktes. Comeback würde ich dazu nicht sagen. Es war das Publikum, das mich zurückgeholt hat. Klar, im Moment sind Sachen von Bon Jovi angesagt. Aber die Resonanz wird immer größer. Ich spul' auch nicht nur meine alten Hits runter sondern versuche immer wieder was neues zu machen, Trends aufzufangen. Daher auch meine Techno-Stücke. SCHULZ! So wie der Milka-Opi? SCHILLING Nein. Da ist ein großer Unterschied. Das ist doch nur Abzocke, Schrott. Ich sehe mich als Songwriter. Ich liebe Melodien. Meine Zukunft ist Rave - Techno mit schönen Melodien. Ich bin gerade wieder da, wo ich herkam. Ich sitzte wieder am Computer, mische die Songs, einfach genial. SCHULZ! Du gehst also voll in der Techno-Szene auf? SCHILLING Es ist gut. Spaß, tanzen, auf freundliche Art miteinander umgehen. Es ist gut. Rave-Partys werden später sicher ganz anders interpretiert. Das Rave-Ding ist einfach gute Musik und fertig. SCHULZ! Beim Thema Techno fällt oft im selben Atemzug das Stichwort "Ecstasy". Wie stehst Du dazu? SCHILLING Jede Zeit hat ihre Droge. In der NDW-Zeit war's der Alkohol. Das ist alles relativ, dummes Gesabber von Scheintoten. Clinton hat auch LSD genommen. Das soll nicht heißen, dass ich dafür bin aber wenn ich Typen wie Berti Vogt mit Parolen wie "keine Macht den Drogen" höre, wird mir übel. SCHULZ! Du warst lange von der Bildfläche verschwunden, was hast Du gemacht? SCHILLING 88, 89 hatte ich keinen Bock mehr, hab' mich nur noch hängen lassen. 91 kam die Wende. Ich war lange in Amerika, hatte dort kommerzielle Erfolge. Jetzt bin ich wieder da, die Veranstalter kommen auf mich zu. Klar, das ist schon irgendwie verlogen. Jetzt, wo sie Kohle riechen, kriechen sie aus ihren Löchern. SCHULZ! Wo ist der Unterschied im Bereich Entertainment in Amerika und Deutschland? SCHILLING Da ist ein Riesen-Unterschied. Ich hatte das große Glück Amerika erleben zu dürfen, da geht's viel profesioneller zu. Da ist der Pop erwachsen, ein Bestandteil der Kultur. Hier tut man sich damit schwer. Aber keine Angst, der nächste Bundeskanzler ist Rolling Stones-Fan. Ohne Manager bist du in den Staaten aufgeschmissen. In Deutschland manage ich mich selber. Aber man kann Überall Karriere machen - in New York oder in Helmstedt - man braucht nur Ideen und Talent. SCHULZ! Wirklich wahr? SCHILLING Na ja, ihr mischt doch hier auch alles auf, habe ich mir sagen lassen. SCHULZ! Kein Zweifel (Gelächter). Wo wir gerade dabei sind: wie findest Du unsere Stadt? SCHILLING Eine charmante, moderne, kleine Stadt. Hatte ich mir ganz anders vorgestellt: neblig, Kutschen, die durch düstere Gassen galoppieren, Drakula. Eine Grenzstadt, eben. SCHULZ! Jetzt die typische Bravo-Frage: wie findest Du unsere Helmstedter Girls? SCHILLING Hm, kann ich nicht genau sagen. Total hübsch und voll der Frauen-Überschuß, habe ich gehört. SCHULZ! Mit wem hast Du gesprochen, dem Tankwart? SCHILLING Wie lange lebst Du eigentlich in Helmstedt? SCHULZ! 15 Jahre, komme eigentlich aus Hannover, wieso? SCHILLING Wie hat's Dich als Grieche in die DDR verschlagen? SCHULZ! (Gelächter) Helmstedt gehörte eigentlich mehr zur Bundesrepublik - aber das passiert jedem, nicht so tragisch. Das erste Mal in Helmstedt? SCHILLING Ja. Mein Gott, wie peinlich. SCHULZ! Schon OK. Können wir das drinlassen? |