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Hans
Kabon: "Stern-TV made in Helmstedt"
Ein
BZ-Artikel gefährdet die Existenz des Flugzeug-Cafe's in Harbke.
Werden
dem Vogel die Flügel gestutzt? Hans Kabon, Flugzeug-Narr und Initiator
des Flugzeug-Cafe's Fani Fly in Harbke, äußert sich zu den Gerüchten
um den Abriß der auf dem ehemaligen Grenzstreifen gelandeten Interflug-Maschine.
SCHULZ!
Seit einiger Zeit geistern Schlagzeilen wie "Flugzeug droht Absturz" durch
die Presse - was ist daran dran?
KABON
Daran ist nichts dran. Zwar haben wir Ärger mit den Behörden,
das Flugzeug als Standort für das Cafe' ist aber in keiner Weise gefährdet.
SCHULZ!
In dem Artikel war zu lesen, dass schwarz gebaut sei?
KABON
Ein Witz, wie der gesammte Artikel. Es ist doch absolut schwachsinnig zu
behaupten, einen Flieger wie unsere IL 18 "schwarz" als Cafe' umzubauen
und irgendwo hinzustellen. Wir reden ja hier nicht von einer kleinen Gartenlaube
- sondern von einem Linienflieger. Um ein Cafe' zu betreiben, sind auch
viele Konsessionen und Genehmigungen notwendig, diese liegen alle vor und
sind auch nicht anfechtbar. Gegenstand des Vertrags mit der Gemeinde ist
logischerweise auch das Betreiben eines Flugzeugcafe's und nicht das Anpflanzen
von Zuckerrüben.
SCHULZ!
Aber es sollen doch Baugenehmigungen fehlen?
KABON
Die Baugenehmigungen beziehen sich auf unsere Mehrzweckhalle auf dem Platz,
diese wurden inzwischen nachgereicht und werden geprüft, also nichts
dramatisches. In dem Artikel in der Braunschweiger Zeitung und der Volksstimme
wurde der Anschein erweckt, dass hier alles abgerissen wird, wenn
diese abgelehnt werden, das ist pure Effekthascherei, ja, Bildzeitungsjournalismus.
SCHULZ!
Es war doch zu lesen, dass das Gelände zum 1. Juni geräumt
werden muß?
KABON
Ich weiß nicht, wie der Verfasser, Markus Nitschke, dazu kommt, soetwas
zu behaupten oder wo er dieses Datum herhat. Es ist für mich sehr
erschreckend zu sehen, wie durch derartig diletantische Recherchen Existenzen
vernichtet werden können. Es gab sogar eine Meldung von ADN (Anm.
d. Red.: Presseagentur): "Beamte stoppen Harbker Flugzeug", "Schrottpresse
droht", "zum 1. Juni wird Schließung erwogen", war da zu lesen. Das
trägt die Handschrift dieses sogenannten Journalisten. Das ging durch
die gesamte Bundespresse. Ein Fernsehteam vom MDR hat basierend auf diese
zweifelhaften Informationen sogar einen Fernsehbericht gebracht. Tenor:
"das Flugzeug macht dicht", die haben nicht mal irgendjemanden hier gefragt
sondern gleich die ADN-Meldung nachgeplappert. Wenn das heutzutage die
Arbeitsweise von Journalisten ist - gute Nacht! Das erinnert mich an den
Skandal mit Stern-TV, wo auch Nachrichten "gemacht" wurden. Das ist Stern-TV
made in Helmstedt.
SCHULZ!
Was war denn nun konkret falsch?
KABON
So gut wie alles. Das fängt schon bei den kleinen Sachen an: ich hieß
auf einmal Heinz Karbon statt Hans Kabon, Die Interflug-Maschine wurde
zum Aeroflot-Flugzeug, aus vier Motoren wurden zwei, die Sache mit der
Kündigung und schließlich der Abriß.
SCHULZ!
Fragen wir mal so: was war denn richtig?
KABON
Dass uns das Standesamt Aufgrund eines Verwaltungsaktes entzogen wurde.
Das ist für uns zwar sehr traurig, ist aber nicht gerade unsere Haupteinnahmequelle.
Wir haben alles mögliche versucht, um das Standesamt zu behalten,
die entsprechenden Beamten stellen aber auf stur. Offiziell heißt
es, es darf nur ein Standesamt in Harbke sein, unser Anwalt hat bei einer
Prüfung der Rechtslage festgestellt, dass auch weiterhin im Flugzeug
getraut werden dürfte. Dies hat er den Herren in Harbke auch in einem
Schreiben mitgeteilt, eine Reaktion hat es aber nie gegeben. Das ist für
mich sehr schlechter Stil - und sowas von einer Behörde.
SCHULZ!
Zurück zur Presse. Was haben Sie nun vor?
KABON
Wir werden uns an die Redaktionen der entsprechenden Zeitungen wenden und
eine Gegendarstellung verlangen. Unser Rechtsanwalt prüft gerade,
inwieweit der Autor für diesen Rufmord belangt werden kann, schließlich
hat er uns großen Schaden zugefügt.
SCHULZ!
Und was die Zukunft des Flugzeugcafe's angeht?
KABON
Die Zukunft des Cafe's ist nicht in Frage gestellt. Wir freuen uns, unsere
Gäste auch weiterhin bewirten zu dürfen. Interview:
Paul Warczyk
01.03.1996 |