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Männer
Lothar
Teuchert über seine Geschlechtsgenossen.
Männer,
das ist hinreichend bekannt, sind harte Kerle! Zupackend, intelligent,
durchblickend - allen Aufgaben gewachsen. Sprüht man sie dann noch
mit irgendwelchen Mode-Deo intensiv ein, wirken sie anregend prickelnd,
begehrenswert und sexy. Sogar in Schlagern oder Volksliedern werden sie
besungen. Zum Beispiel von Herbert Grönemeyer mit seinem Hit "Männer"
oder Heino mit "Das Wandern ist des Müllers Lust" Und das stimmt tatsächlich!
In meiner Bekanntschaft gibt es 14 Müllers - davon sind zwölf
sportlich aktiv und neun wandern regelmäßig. Ist es da nicht
verrückt, wenn immer wieder Berichte in Frauenzeitschriften auftauchen,
in denen behauptet wird, Männer hätten eine viel niedrigere Schmerzschwelle
und seien darum auch wesentlich empfindlicher? Und - das käme noch
dazu - sie würden es auch ungeniert zum Ausdruck bringen.
Unglaublich.
Wenn ich allein an die unzähligen Beschwerden denke, die mich plagen,
Ich rede ja nicht gerne darüber - höchstens im Kollegenkreis
beim Nachmittagskaffee. Da sitzen sie nun, unterschiedlich von Woche zu
Woche, sechs bis zehn dieser hartgesottenen Typen, mit beiden Beinen im
Leben stehend, bei Kaffee und Apfeltorte im Residenz-Cafe' - und klagen
an. Hansi hat gestern abend gewagt, auf sein Sodbrennen aufmerksam zu machen.
"Was soll ich euch sagen - plötzlich war der Teufel los! Warum ich
immer und immer wieder versuche, ihre Bratensoße mieszumachen. Und
überhaupt, eigenartigerweise würde ich immer nur Schmerzen bekommen,
wenn wir tags darauf bei ihren Eltern zum Mittagessen eingeladen wären.
Ich sage euch - diese Schmerzen - und dann noch diese Beschuldigungen.
Keinen Ton habe ich mehr gesagt!" Achim räusperte sich, deutete leidend
auf seinen Hals und flüsterte: "Alles zu, spucke ständig Blut,
schlucken kann ich gar nicht mehr - völlig dicht der Laden. Zunge
vollkommen belegt! "Oh, oh!"
Als
Beweis riß er den Mund auf, zeigte uns das gut belegte Stück
- und seinem Nachbarn Hans-Joachim gönnte er noch einen Blick auf
die geröteten Mandeln. Hans-Joachim war sichtlich beeindruckt und
brachte anschließend ein Referat über "das Herausnehmen von
Mandeln bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen". "Grauenhaft, dieses Abknipsen,
aber was sein muß, muß sein!" Zu Achim gewandt: "Laß
es machen, dann hast du Ruhe." Ausnahmsweise ging es auch mir diesen Tag
nicht besonders gut, und zu Zacke, meinem Gegenüber, kam mir die Frage:
"Was sitzt eigentlich hier?" Dabei zeigte ich unklar in Richtung verlängertes
Rückgrat. "Das sind die Nieren", diagnostizierte Zacke routiniert.
"Da mußt Du aufpassen, viel trinken usw." Zacke war der Klügste
von uns allen - er hat (oder ihn haben) drei Töchter, das bildet und
formt.
Klaus
daneben sitzend: "Können auch die Lungenspitzen sein. Vorsicht, Vorsicht!
Hast du trockenen Husten?" Ich versuchte es. Alle sieben spitzten die Ohren.
"Nochmal!" Ich hustete unentwegt weiter. Rundum im Cafe' war es still geworden.
"Mein Gott!" flüsterte ein älterer Herr am Fenster. "Nein!" meinte
Klaus entschieden. "Alles okay!". Wir atmeten auf. Brigitte, eine der reizenden
Damen, die uns verwöhnten, kam flink herbei, beugte sich zu mir. "Ich
habe Hustenlöser mitgebracht. 20 Tropfen auf den Teelöffel!"
Es ist also ganz klar. Unter Leidensgenossen äußert man sich
mitunter über seine Beschwerden. Zu Hause aber, beherrscht man sich.
Ich jedenfalls würde es nicht fertigbringen, die Wahrheit über
mich zu erzählen. Ich deute immer nur an. Habe ich beispielsweise
wahnsinnige Zahnschmerzen und werde gefragt, warum ich so mürrisch
gucke, stöhne ich nur kurz, aber grauenhaft auf - deute auf meinen
Mund - halte die linke Hand davor und winke mit der rechten bagatellisierend
ab. "Na, also!", sagt meine Frau. "Dann setz dich hin und iß!"
01.04.1996
Lothar
Teucherts "Teuchert nochmal" aus dem ESDES Verlag ist in jeder guten Buchandlung
erhältlich. ISBN 3-9801542-8-9 |