Tarzan
- keine Erfindung?
Schulz! berichtet aus aller Welt.
NAIROBI.
Endlich ist das Geheimnis um Tarzan, den weißen Affenmenschen gelüftet.
Generationen von Jungen verschlangen die Abenteuergeschichten um den Urwaldhelden,
waren gefangen von Legende und Mythos des Dschungelkönigs. Was viele
insgeheim vermuteten, hat sich nun bestätigt: Tarzan ist keine Erfindung
des Schriftstellers Ruyard Kipling. Den uralten Spuren im Roman folgend,
finde ich in der afrikanischen Steppe, am Rande des Dschungels, welcher
Tarzans Heimat war, das kleine Dorf Umbundi.
Hier
treffe ich Mundumbi, einen zahnlosen Greis, dessen Alter so geheimnisumwittert
ist wie die Legenden um Tarzan selbst. Mundumbi gehört zum Volke der
Massai, jenes stolzen Stammes, der noch immer die alten Traditionen bewahrt.
Und so muß ich erst vom warmen Ochsenblut trinken, bevor er mir vertraut.
Also üerwinde ich mich. Wohlwollend sieht er mir zu, nickt ein wenig
und beginnt dann seine Erzählung: "Es ist viele Monde her, da lebte
in unserem Lande noch genügend Wild und der weiße Mann war ein
fast unbekanntes Wesen. Damals fanden unsere Krieger eine Affenherde, welche
ein weißes Menschenkind großzog. Wir nannten das Kind "Tarzan".
Die
Jahre vergingen und aus dem Knaben wurde ein berühmter Krieger." Einige
Krieger des Stammes führten mich schließlich zu der Stelle,
an welcher Tarzan lebte. Nach einem beschwerlichen Marsch durch den Dschungel
erreichten wir eine stark verrottete Baumhütte, in der Umgebung lagen
Gegenstände des täglichen Dschungellebens. Sie mußten seit
Jahrzehnten dort liegen. Auch Ruyard Kipling war Mundumbi kein Unbekannter.
"Eines Tages kam ein weißer Mann in unser Land; er trug eine Maschine
mit sich, die Worte auf Papier formte. Wir brachten ihn zu dem Ort, an
welchem Tarzan lebte. Dort haben sie miteinander gesprochen." Wir wissen
nicht, worüber Tarzan und Kipling sprachen. Doch es kann als sicher
gelten, dass Tarzan dem Schriftsteller seine Geschichte erzählte,
die schließlich Kiplings Berühmtheit begründete.
01.08.1996 |