Thailands
Regierung besteuert Prostitution
Schulz! berichtet aus aller Welt.
BANGKOK.
Tausende Touristen zieht es jährlich nach Thailand, die wenigsten
aber interessieren sich für die in weiten Teilen des Landes unberührte
Natur oder das uralte Kulturerbe. Vielmehr sind es die berühmten Dienste
thailändischer Schönheiten, die für wenig Geld die Träume
europäischer und nordamerikanischer Männer, im steigenden Maße
aber auch der weiblichen Besucher, verwirklichen. In der thailändischen
Gesellschaft genießt die Prostitution bereits seit Jahrhunderten
ein hohes Ansehen.
Und
in vielen Regionen ist sie neben der Landwirtschaft und der Tourismus-Gastronomie
oft die einzige Erwerbsmöglichkeit für die Bevölkerung.
Umso besorgter ist die Regierung über die schnelle Verbreitung von
AIDS, aber auch über den Ausfall an Steuern, denn bisher unterlag
die Prostitution keinerlei staatlicher Kontrolle oder Besteuerung. Dies
soll sich nun ändern. In einem Modellversuch wurden alle unverheirateten
Mädchen der Provinz Dan Nang einem AIDS-Test unterzogen. Fiel der
Test positiv aus, wurden die Mädchen in ein Betreeungszentrum eingewiesen,
jeglicher Sexualverkehr mit Nichtinfizierten wurde unter Androhung hoher
Strafen verboten. Bei Negativergebnissen erhielten die Mädchen eine
Art Keuschheitsgürtel umgelegt, der zwar den Tagesablauf nicht beeinträchtigt,
aber jeglichen Geschlechtsverkehr unterbindet.
Diese
Gürtel sind mit einer Schließvorrichtung ausgestattet, welche
sich nur durch den Einwurf von umgerechnet 5 Mark öffnen läßt
und mit einem Zeitschloß versehen ist, welches sich nach 30 Minuten
automatisch wieder schließt. Gesichert sind die Gürtel durch
eine Zahlenkombination, die nur der Regierungsbeamte kennt, der die Geldkammer
leert. Auf diese Weise erhofft sich die Regierung ein Eindämmen der
AIDS-Gefahr sowie die Gesundung der Staatsfinanzen. Allerdings gibt es
erste Probleme: Immer mehr verheiratete Frauen gehen nun der Prostitution
nach, nachdem die unverheirateten Töchter weniger Geld durch die Steuern
verdienen. Auch werden vermehrt Scheinehen geschlossen. Außerdem
ergaben Stichproben, dass die Mädchen in den 30 Minuten nun zwei
Männer bedienten, aber nur für einen Steuern zahlten. Gegenwärtig
ist eine Untersuchungskommission damit beschäftigt, das System nach
Verbesserungsmöglichkeiten abzusuchen. Ein erstes Ergebnis wird noch
in diesem Jahr erwartet.
01.09.1996 |