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   TEUCHERT

Mein Freund Heribert   

Lothar Teuchert über Ehen und Männerfreundschaften.   

Einen richtigen Freund zu haben, bedeutet viel! Hat er kein Geld, ist man seine Bank. Hat er zuviel, sein Steuerberater. Und ist der Typ beispielsweise blau, muß man ihm aus Freundschaft und Fürsorge die Autoschlüssel abnehmen. Ist er, in meinem Alter zu 90 % üblich, verheiratet, gibt es nur zwei Möglichkeiten! Entweder man gefällt seiner Frau, dann aber, die andere Möglichkeit - die Wahrscheinlichere - man gefällt ihr nicht, weil man schließlich immer der schuldige Teil ist, der den armen Kerl ständig zur Wanderschaft durch übelste Kneipen und Spelunken treibt. Mein Freund Heribert hat da einen entscheidenden Vorteil: Er ist Junggeselle. Seine Geschäfte laufen gut - und er hat immer eine Mark mehr in der Tasche, als er braucht.  

Ein Kerl, voll im Leben stehend - und von uns allen glühend beneidet. Innerhalb von Wochen nun fiel Heribert sichtlich in sich zusammen. Verlor runde 10 Kilo an Gewicht und ging kaum noch ans Telefon. Wenn wir uns zufällig in unserer Stammkneipe trafen (früher saßen wir dort jeden Abend), trank er fürchterliche Mengen eines selbstkomponierten Gesöffs, das in der Lage war, Wollfasern aufzulösen. "Heribert", sagte ich schwer besorgt, "geh zum Arzt. So wie du aussiehst, muß man einfach krank sein. Bengel, geh hin, es ist nie zu spät!" Heribert schwankte leicht mit seinen roten Augen, bis es ihm gelang, mich fest im Blick zu behalten. "Höre", begann er mühsam, "ich weiß, dass du denkst, es ist nicht mehr so wie früher, und...", er war den Tränen nahe "so ist es auch. Aber du, mein alter Freund, sollst den Grund erfahren!" Er schwieg.  

Ich wollte nicht drängen, aber ehe er es sich anders überlegte, sollte er zum Teufel wirklich die Sache erklären. "Du mußt nicht!" sagte ich also schlau. "Doch", grinte er, "ich will aber, verstehst du?" "Es gibt Geheimnisse im Leben, die gehen niemanden etwas an!" lockte ich. - "Ich weiß!" nickte er. "Andererseits" sagte ich gedehnt, "bei Mord solltest du..." - Er brüllte fast: "Mord? Mord? Ich werde Vater!" Ich nahm hastig sein Glas mit dem Wollfaserzerfetzer und trank es mit einem Zug leer. "Du wolltest doch nie...!" - "Doch!" rief er. "Aber nicht heiraten!" "Wer ist sie?" - "Da!" er knallte ein Foto auf die Theke. "Ist sie nicht himmlisch? Siehst du die hohen Backenknochen?" Ich starrte auf das Bild "Ich wußte gar nicht, dass du Pferde hast?" Heriberts Kopf schwankte in Richtung Theke. "Aah!" rief er entsetzt "Vorhin hat sie noch draufgesessen... auf dem Gaul... wo zum Kuckuck?" Dann, zu mir gewandt: "Entschuldige, sie muß runtergefallen sein." Er griff in die Hosentasche. "Klar doch, da!" Und nun endlich sah ich sie. Und in meinem Kopf ging ein Licht an. "Verdammt attraktiv!" tat ich ganz begeistert.  

"Mein Gott, hast du ein Glück!" "Was meinst du damit?" Die roten Augen sahen nun nicht mehr ganz so schaurig. "Nein, nein", rief ich besorgt, ihm Anlaß zur Eifersucht gegeben zu haben. "Kennst du den Gaul?" "Auch nicht, aber", ich griff vertraulich an seinem Arm, "Heribert, denk doch mal nach, du bist fast 50, hast alles erreicht, Vater wirst du sowieso, mach keine halben Sachen, wichtig ist, gefällt sie dir wirklich so gut?" "Das ist es ja", nun plärrte er tatsächlich los, eine etwas peinliche Situation. "Es sieht so aus! Diese Wahnsinnsbackenknochen! Ich kann ohne sie nicht leben!" Ich schnappte ihn mir, und an den nun folgenden Tagen erledigte ich seine geschäftlichen Dinge und er die privaten. Seine Braut sah wirklich reizend aus. Als sie mich das erste mal sah, bemerkte ich das leichte Erschrecken, reagierte aber nicht. Sollen sie ruhig heiraten. Ich habe ihr jedenfalls vor 15 Jahren die Geschichte mit dem "Liebling, du wirst Vater!" nicht abgenommen. ZumIndex  01.09.1996  

Lothar Teucherts "Teuchert nochmal" aus dem ESDES Verlag ist in jeder guten Buchandlung erhältlich. ISBN 3-9801542-8-9

 

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