Kölner
Dom wird abgerissen
Schulz! berichtet aus aller Welt.
KÖLN.
Jahrhunderte galt er als eines der wichtigsten Bauwerke des Christentums,
Hunderttausende Besucher pilgern jährlich nach Köln, um ihn zu
sehen und zahllosen Künstlern diente er als Vorlage für Gemälde,
Fotos oder Erzählungen. Doch nun ist der Kölner Dom vom Abriß
bedroht. Trotz ständiger Restaurierungsmaßnahmen nagt der Zahn
der Zeit gewaltig an seinen Mauern. Regen und Wind hinterlassen beachtliche
Spuren im Mauerwerk und Abgase der modernen Industriegesellschaft fressen
sich tief in den steinernen Riesen.
Bisher
zogen Kirche, Stadtväter und Regierungen vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen
an einem Strang. Mit Maurerkelle, Mörtel, Stahlstützen und viel
Idealismus wurde gegen den Lauf der Dinge gekämpft.
Inzwischen
aber sind die öffentlichen Kassen leer und der Stadtrat hat sich jetzt
offiziell von einer weiteren Instandhaltung des Domes distanziert. Schuld
daran sind aber nicht die fehlenden Geldmittel. "Bisher konnten wir die
Abschürfungen der Zeit mit Material ausgleichen, ohne dass die
Bausubstanz Schaden nahm. Nun aber stehen wir vor einem unlösbaren
Problem. Die Tauben werden den Dom ruinieren." Zahllose Tauben wurden bereits
abgeschossen, das gezahlte Kopfgeld erreichte sechsstellige Beträge.
Vergiftetes Futter wurde ausgestreut und dezimierte den Bestand, allerdings
nur kurzfristig.
Als
auch andere Vogelarten dem Gift zum Opfer fielen, wurde das Futterstreuen
eingestellt. "Was ist denn nun so schlimm an Tauben?" wollten wir von SCHULZ!
wissen. "Nun, die Biester scheißen einfach auf die Mauern. Und das
Ammoniak ätzt den Stein weg. Das Problem ist, das für jeden Meter,
den wir erneuern, drei Meter kaputtgeschissen werden. Da können wir
nicht mehr mithalten. Das Bauwerk ist inzwischen so instabil geworden,
dass wir den Dom abreißen müssen, um einen Einsturz zu
verhindern," klärte uns Peter Stuppler, Taubenbeauftragter der Stadt
Köln auf. Mittlerweile haben auch die Kirchenväter das Problem
erkannt und ihre Mitarbeit zugesagt. Sollte nicht noch ein Wunder geschehen,
dann wird Köln wohl ohne Dom ins neue Jahrtausend gehen.
01.10.1996 |