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Schönheit
Lothar
Teuchert über Kosmetik.
Wahre
Schönheit, so sagen Manche, kommt von innen. Von ganz tief aus dem
Bauch heraus. Andere wieder, die weniger Probleme mit Pickeln haben, denken
darüber ganz anders und meinen, die Kosmetik könne heutzutage
allerhand korrigieren. Wie dem auch sei - plötzlich und sozusagen
über Nacht hatte ich neben dem rechten Nasenflügel einen Minihöcker,
der rot anlief und als ich behutsam drückte auch noch schmerzte. Nun
habe ich ein gutes Verhältnis zu meiner Fußpflegerin, die ich
auch schnellstens aufsuchte. Ich persönlich glaube, dass Schönheit
nicht aus dem Bauch kommt, sondern bei den Füßen beginnt. Wenn
man sich einen dieser modernen, sinnlicheren Filme ansieht, wo beginnt
dann die Knutscherei? Oft genug am großen Zeh! Selten am Bauch. Zugegeben,
das Ganze wandert dann ständig höher, aberin Filmen ab 18 Jahren
gibt es über dem Knie die perfekte Lösung.
"Schnitt!"
Anschließend geht es am Hals weiter. Jedenfalls empfahl mir meine
Fußpflegerin, sie einfach als Kosmetikerin zu konsultieren. Das nämlich
sei sie auch. Gut, sagte ich, und sie nickte sehr zufrieden. Sofort ging
es verschärft zur Sache. Hemd und Unterhemd runter und rein in einem
mit Papierlaken ausgelegten, sehr bequemen Sessel. Die Teilprothese meiner
Zähne durfte drinbleiben, die Uhr mußte ab. Kuschelig und gemütlich
war es. Sie strich mir weich über das Gesicht und riß anschließend
"Es tut mir gar nicht weh" vier kleine blonde Härchen aus der rechten
Wange, die ich vorher nie bemerkt hatte. "Auch Augenbrauen?" - "Nein, nein,
bloß nicht!" Warmes Wasser, angereichert mit bestimmten Essenzen
und angenehm auf dem Gesicht, kam aus tausend Düsen auf mich nieder,
machten Pickelchen und Haut feucht und geschmeidig. Mit einer elektrischen
Bürste und breiartiger Substanz begann sie dann, mit kreisenden Bewegungen
auf diesem Großraumgesicht das, was man Peeling nennt.
Wunderbar!
Aber das war bei weitem noch nicht alles. Gekonnt köpfte sie eine
Ampulle und verriet mir, dass der Inhalt sozusagen die Krönung
wäre. Gelee Royal, unumgänglich für die gepflegte Haut,
für den Top-Mann. Nur bin ich kein Top-Mann, sondern von einfacher,
kugeliger Knudelfigur - wie mir meine Frau immer erzählt. Trotzdem
nahm ich dankbar an. Gelee Royal war doch dieses Zeug in Honiggläsern,
was die Bienenkönigin immer von sich gibt, extrem teuer, aber wirklich
ausgezeichnet schmeckend. Dieses hier nun schien nicht zum Verzehr geeignet.
Es wurde behutsam aufgetragen und einmassiert. Ich weiß gar nicht,
ob ich die Reihenfolge hier so richtig wiedergegeben habe; aber ich schwöre,
all das wurde mit mir gemacht und ich wurde immer schläfriger. Nun
kam einer der leckersten Abschnitte: Massage! Am Hals beginnend, über
die Schulterpartie abkippend. Immer und immer wieder.
Der
reinste Wahnsinn! Nur Köpfchenkraulen bei meiner Friseuse kann von
mir noch als gleichwertig empfunden werden. Zum Abschluß war dannnoch
diese Schicht, die auf dem Gesicht aufgetragen wurde. "Alles Gute für
die Haut" Und auf meine schweren Augenlider wurden Pads gelegt. Bislang
kannte ich das nur mit Gurkenscheiben. "Ich lasse Sie jetzt ein wenig allein"
sprach die geprüfte Einzelkämpferin für Fuß- und Gesichtspflege
- und es wurde kühl um mich herum. Als sie mich weckte und abspülte,
war mein Pickelchen weg. Ich hochzufrieden, denn schöner ging es nun
wirklich nicht mehr, wobei das verdammt relativ ist. Und die junge Dame
glücklich, weil wir gleich einen neuen Termin vereinbarten. Wahre
Schönheit kommt also nicht immer von innen, ich jedenfalls warte nicht
mehr drauf.
01.12.1996
Lothar
Teucherts "Teuchert nochmal" aus dem ESDES Verlag ist in jeder guten Buchandlung
erhältlich. ISBN 3-9801542-8-9 |