Froschschenkel
aus dem Gen-Labor
Schulz! berichtet aus aller Welt.
Paris.
Froschschenkel gehören in Frankreich seit Jahrhunderten zu den beliebtesten
Delikatessen. Jeder Franzose verzehrte der Statistik nach jährlich
10 Stück davon, bis 1983. Dann gelang es Tierschützern, der Regierung
ein Gesetz abzuringen, das die Produktion, den Import, den Verkauf und
den Verzehr von Froschschenkeln unter Strafe stellte. Wer dennoch nicht
von seiner Lieblingsspeise lassen konnte, mußte mit einer Anzeige
wegen Tierquälerei und Haftstrafen bis zu fünf Jahren rechnen.
Die Tierschützer hatten sich für dieses Gesetz stark gemacht,
weil die Schenkel die einzigen Teile der Frösche waren, die genutzt
wurden. Der Rest der Tiere wurde als Müll weggeworfen.
Diese
Handhabung entsprach nach Ansicht der Tierfreunde nicht den gültigen
moralischen Regeln. Nun ist es aber französischen Wissenschaftlern
gelungen, eine Methode zu entwickeln, welche Tierschützern und Gourmets
zugleich gerecht wird. In einem Labor in Paris werden achtbeinige Frösche
gezüchtet. Mit Ausnahme der drei zusätzlichen Beinpaare unterscheiden
sich die Tiere nicht von ihren Artgenossen in freier Natur. Sobald die
Frösche ausgewachsen sind, werden sie betäubt und sechs der Schenkel
werden amputiert. Nach einer Genesungszeit von etwa zwei Wochen in denen
die Tiere beobachtet und betreut werden, werden sie in freier Natur ausgesetzt.
Inzwischen findet man die vorher fast ausgerotteten Arten wieder in ganz
Frankreich, und auch der Storch hat sich wieder vermehrt, besteht seine
Nahrung doch hauptsächlich aus Fröschen.
Eine
Gefährdung des natürlichen Gleichgewichts schließen die
Wissenschaftler allerdings aus. Die ausgesetzten Frösche sind nicht
zeugungsfähig, eine zusätzliche Vermehrung wird es also nicht
geben. Außerdem werden ab 1998 jährlich 75 Prozent der Tiere
weltweit exportiert, um ihre Arterhaltung auch in anderen Ländern
zu garantieren. Die amputierten sechs Schenkel je Tier aber werden an die
einheimische Gastronomie verkauft. Im letzten Jahr konnten so über
1,2 Millionen Froschschenkel ausgeliefert werden. In diesem Jahr rechnet
der französische Gastronomieverband mit einer Steigerung von 100 Prozent.
Zwei weitere Froschfarmen sind im Bau, und bis zum Jahr 2.000 soll die
Produktion der Nachfrage angepaßt sein.
01.09.1997 |