Boris
Becker will Bundeskanzler werden
Schulz! berichtet aus aller Welt.
Bonn
/ Leimen. Die Sensation ist perfekt! Nach einer erfolgreichen Karriere
in der Tenniswelt strebt Boris Becker nun nach neuen Zielen. In einem Interview
mit unserer Zeitung antwortete er auf die Frage, was er jetzt tun wolle,
wo er langsam für den Tennisspitzensport zu alt wird: "Dann, äh,
werde ich, äh, Bundeskanzler." Einige wichtige Voraussetzungen bringt
"uns Bobele" ja mit. Er ist schon in der ganzen Welt umhergereist, und
er kennt von den vielen Veranstaltungen bereits einige wichtige Staatsoberhäupter,
hat ihnen die Hände geschüttelt. Vor allem in den USA wird er
beinahe liebevoll der "lovely german boy" genannt. Auch im eigenen Lande
gilt Boris Becker als jemand, der sich Ziele setzt und sie auch erreicht.
Bei
diesem Sympathiebonus dürfte er ein nicht zu unterschätzender
Gegner sein, wenn 1998 Bundestagswahlen anstehen. Mit welchem Programm
wolle er denn Politik machen, wollten wir wissen. "Ja, äh, also, wissen
Sie, äh, da gibt es ja, äh, viel zu tun, ne. Also da müssen
wir, äh, erstmal, äh, die ganzen Arbeitslosen, äh, also
die müssen wir, äh, von der Straße kriegen. Da, äh,
habe ich auch schon, äh, einen Plan. Die werden alle zu Ball- , äh,
zu Balljungen ausgebildet, ne. Da haben die, äh, wieder was zu tun,
äh, und ich hab immer einen Balljungen in meiner Nähe, ne."
Für
welche Partei er antreten will, war leider nicht zu erfahren. Dies will
er erst kurz vor der Wahl bekanntgeben. Mindestens 99 Prozent der Leimener
weiß er auf seiner Seite. Nur der Briefträger würde einem
anderen Kandidaten seine Stimme geben. "Der Boris, der kriegt ja immer
so eine Menge Post am Tag, da muß ich oft zweimal laufen. Das ist
manchmal echt eine Zumutung. Und wenn der jetzt noch Kanzler wird, dann
schreiben da noch mehr Leute, nämlich dann kommen ja noch die ganzen
Beschwerden wegen der Politik und so dazu." Doch auch mit diesem Problem
sollte die neue Bundesregierung fertig werden. Einer der neuen Balljungen
könnte ja zum Briefträger umgeschult werden und in Leimen eingesetzt
werden.
Für
den Fall seines Wahlsieges hat er den Umzug der Regierung nach Leimen angekündigt.
Dies würde nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung für die Region
bedeuten, die Stadt würde in einem Atemzug mit Metropolen wie Paris,
Tokio und New York genannt werden. Ein Traum aller Lokalpatrioten. Doch
bevor dieser neue Abschnitt deutscher Geschichte eingeläutet werden
kann, muß erst noch ein Problem gelöst werden. "Bitte, äh,
sagen Sie aber, äh, Babs, Sie wissen schon, äh, meiner Frau,
äh, nichts davon. Sie möchte, äh, eigentlich, äh, nicht,
dass ich Kanzler oder, äh, so werde. Ich muß da, äh,
erst noch mit ihr, äh, mal drüber reden, ne." Es tut gut zu sehen,
dass auch zukünftige Bundeskanzler ganz alltägliche Probleme
haben.
01.10.1997 |