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Die
Dankesrede
Lothar
Teuchert über große Worte.
Schon
vierzehn Tage sind vergangen, und immer noch klingen in Ottos Ohren die
überaus liebenswürdigen Worte, die ihm die Feier so verschönten.
Nein, er hatte es nicht gewußt, nicht einmal geahnt, dass sie
doch "alle in einem Boot" saßen, dass "keiner etwas ohne den
anderen" wäre, "jeder auf seinen Partner angewiesen!" Ja, dass
sein Vorgesetzter sogar ein "Niemand" sei - ohne ihn! Haargenauso hatte
er sich ausgedrückt. "Was wäre ich denn ohne Sie???" Dabei sah
er in die Runde, und seine Augen blieben bei Otto haften, der ihm gebannt
zuhörte. "Ein Niemand, ein Niemand wäre ich - darauf lassen Sie
uns unser Glas erheben!" Der Vorgesetzte des Vorgesetzten von Otto war
der gleichen Meinung gewesen! Auch er sprach von "Teamgeist und Mannschaft",
von "Zusammenarbeit" und vom "Geist der Truppe" und erinnerte dankbar an
die gute Atmosphäre, die nur möglich war, weil er - der ohne
die anderen nichts wäre schon immer dafür eingetreten sei, mit
dem Einzelnen zu reden, ihn zu motivieren, zu aktivieren ... und in Schwung
zu halten! Und überhaupt habe er in Herrn X, dem direkten Vorgesetzten
der Mannschaft und seinem eigentlichen Ansprechpartner, der alles so vortrefflich
an die Herren weiterleiten würde, einen ungemein qualifizierten Mann!
Der so Hochgepriesene erhob sich zu einer Antwort-Dankesrede, von der er
hoffte, sie "im Namen der ganzen ihm unterstellten Gruppe" zu sprechen,
und wies seinerseits die Vorzüge des Vorgesetzten auf, der ihnen allen
durch seine großzügige Art des Leitens den Spaß an der
Arbeit gebe. Man wolle auch an dieser Stelle nicht das Wirken der Geschäftsleitung
vergessen, die ihm, dem Vorgesetzten dieser Runde, und ihm, dem Mittler
zwischen Vorgesetzten und Mannschaft, also dem direkten Kontaktmann zwischen
Leitung und Arbeitnehmerschaft, ermögliche, "diese Feier in einem
Rahmen zu gestalten, der würdig sei!" Der Ranghöchste dieser
Feier, obwohl nun leicht verärgert, dass ein ihm unterstellter
und nicht er persönlich die ganz oberen ins Spiel gebracht hatte,
nickte gönnerhaft und erklärte, "er sei beauftragt, von der Führung
des Unternehmens die allerherzlichsten Grüße zu bestellen. Man
bedauere es außerordentlich, nicht persönlich anwesend sein
zu können, aber die Weichen für die Zukunft sollten unverzüglich
gestellt werden ... und wichtigen Sitzungen, die ja dem Wohl der gesamten
Firma dienten, hätte man den Vorrang geben müssen! Und nun guten
Appetit!" Otto und seine Kollegen klopften und klatschte dankbar Beifall.
Wie herrlich und beruhigend, in einer Firma tätig zu sein, bei der
bereits die Weihnachtsfeier so aufbauend und motivierend für das neue
Jahr wirkte. Was für ein Glückstreffer, dass man einmal
gesagt bekam, was man längst vermutete. "Was wäre der Eine ohne
den Anderen?" Und wenn bei der nächsten Zusammenkunft, Besprechung
oder ähnlichem einmal grobe Töne angeschlagen würden, nun,
man wußte es jetzt besser! - Alles Tarnung, alles Verkleidung! Niemand
war besser und wichtiger als sie da unten. Sie, die so manchen da oben
"im Sattel" hielten, denn; "Wenn sie da unten wären, wo wäre
dann oben???"
01.12.1998 |