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Andreas Bethmann: Der Todesengel läßt grüßen

1. Februar 1999 I Warczyk I Interview, Print-Archiv

Andreas Bethmann - der Todesengel

Schulz! auf der Suche nach dem guten Geschmack in Andreas Bethmanns Splatter-Welt.

SCHULZ! Wo ist den das Außergewöhnliche an Deiner Videothek? Horrorfilme gibt es schließlich auch anderswo.

BETHMANN Ja, aber bei mir in der X-Rated-Videothek in Braunschweig gibt es so ziemlich jeden Horrorfilm, den du haben möchtest. Hier kommst du erst ab achtzehn rein, und du findest Filme in ungeschnittenen Fassungen, die aus anderen Videotheken längst verschwunden sind. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich verbotene Videos anbiete. Du bekommst von mir keine Filme, für die ich irgendwie Ärger bekommen kann.

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SCHULZ! Aber Du hast nur Splatterfilme. Was ist mit den guten alten Bela-Lugosi-Streifen?

BETHMANN Die besorge ich dir natürlich auch. Habe ich nur nicht hier stehen, weil die zweimal die Woche im Fernsehen laufen. Aber ich sehe mir selber gerne mal so einen alten Schinken an, da ist eine ganz andere Atmosphäre drin wie bei den modernen Horrorfilmen. Das ist schon irgendwie beeindruckend.

SCHULZ! Und wie kommst Du an die ganzen Filme?

BETHMANN Mit den Jahren baust du dir ein Netz von Quellen auf. Wie in jedem anderen Geschäft auch. Ich habe jetzt so etwa 3.000 Filme, und fast jeden Tag kommt ein neuer dazu. Wenn du einmal einen Grundstock gelegt hast, läuft es fast wie von selbst.

SCHULZ! Kurz zusammengefasst bist Du also Ansprechpartner für Filme aus jedem Horrorbereich.

BETHMANN Richtig. Und für jeden Bud Spencer und Terence Hill-Film. Das ist meine zweite Leidenschaft. Diese Filme stehen übrigens unten im Keller.

SCHULZ! Was liegt sonst so im Keller, eine Leiche vielleicht?

BETHMANN Nein, aber ein paar Pornos. Die kurbeln das Geschäft an, und es sind einige Streifen mit Manila May dabei, der Hauptdarstellerin in meinem neuen Film, eine wirklich tolle Frau.

SCHULZ! Bevor wir jetzt auf Deinen neuen Film zu sprechen kommen, hätte ich gerne gewußt, woher Deine Vorliebe für Horror kommt. Hast du als Kind vielleicht zuviel Schläge bekommen?

BETHMANN Nicht mehr oder weniger wie du auch. Bis 14 oder 15 Jahren war ich ein ganz normaler Junge, dann habe ich irgendwie Horrorfilme von Jess Franco, Lucio Fulci und Joe d’ Amato kennengelernt. Und da war es um mich geschehen.

SCHULZ! Alles Italiener. Sind das Deine Vorbilder?

BETHMANN Unbedingt.

SCHULZ! Wieviel Filme hast Du mit Deinem neuesten “Der Todesengel” schon abgekurbelt?

BETHMANN Elf seit 1989. Mit “Tanz der Kürbisköpfe” habe ich 1996 den Durchbruch geschafft. damals ist die Zeitschrift Videostar auf mich zugekommen, um mich zu produzieren. So ist in Italien 1997 der Film “Die Insel der Dämonen” entstanden. Da konnte ich endlich mal mit Profis arbeiten, und auch die Finanzierung war gesichert. Und 1998 ging es weiter mit “Der Todesengel”.

SCHULZ! Worum geht da?

BETHMANN Um eine Frau, die vergewaltigt wird und sich schließlich an ihren Peinigern aufs Grausamste rächt.

SCHULZ! Der Film unterscheidet sich ja etwas von den bisherigen.

BETHMANN Ja, er hat einige pornografische Szenen, immerhin ist Manila May Hauptdarstellerin, und Manila ist der deutsche Pornostar überhaupt.

SCHULZ! Hm, hochinteressant. Hat sie keine Probleme mit dem vielen Blut und der Gewalt gehabt? In dem Film gibt es ja auch Szenen mit einer Peitsche und einer Pistole.

BETHMANN Bei dem, was sich Pornodarsteller alles reinschieben, hatte ich da keine Bedenken. Und sie hat ja auch hervorragend gespielt.

SCHULZ! Und Angst, dass einer der Special Effects auch mal daneben geht, hatte bisher noch niemand?

BETHMANN Eigentlich nicht. Bei einem Film sollte mal ein Mädchen mit einem Messer angegriffen werden. Ich habe die Klinge mit Tesafilm abgeklebt und wollte ihr vormachen, dass alles ungefährlich ist. Dabei habe ich mir in den Finger geschnitten. Ich habe dann eine Ewigkeit gebraucht, sie zum weiterspielen zu überreden.

SCHULZ! Du drehst Filme, du hast diese Videothek hier in Braunschweig… Was machst du eigentlich, wenn du dich mal nicht mit Zombies rumärgerst?

BETHMANN Guten Deutsch-Punk. Mit meiner Band “Materialschlacht”. Und außerdem gebe ich das Printmagazin X-Rated heraus, in dem ich die Filmwelt des Horrors beleuchte, oder besser gesagt die Splatterwelt. Sollte dann noch Zeit sein, schreibe ich Bücher über den Horrorfilm.

SCHULZ! Was wird man als nächstes von Dir hören?

BETHMANN Ich hoffe, bald von meinem nächsten Film.

1. Februar 1999 um 10:25 Uhr.


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